Alarm ist nicht gleich Alarm | Reichsstadttage 2016

ROTHENBURG – Mit ihren „Löschübungen anno dazumal“ trifft die Rothenburger Feuerwehr den Nerv. Auch bei den zurückliegenden Reichsstadttagen hat sich das gezeigt. Die Schau-Einsätze in historischer Montur und in der Gangart um 1900 zogen die Blicke auf sich und erfreuten das Publikum.

Es hat seinen speziellen Reiz, wenn die Floriansjünger mit diesen Vorführungen sozusagen die Zeiger der Uhr um ein paar Runden zurückdrehen und ganz in die Anfangszeit der Löschtruppe zurückblenden. Neben den alten Helmen und Jacken holen sie dazu mit Begeisterung Gerätschaften der damaligen Zeit aus dem Depot und reaktivieren sie. Verstärkt kommen dabei – um das wertvolle Material zu schonen – allerdings auch Nachbildungen zum Einsatz.

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 Unter den Originalen im Ausrüstungsaufgebot: die große Handdruck-Spritze. Sie löste die Eimerkette ab, mit der vorher Wasser zum Brandort geschafft wurde. Ein wesentlicher Fortschritt in der Entwicklung. Dabei handelt es sich um einen Bottich. Er wird über eine Schlauchleitung mit Wasser gefüllt, das mittels spezieller Pumpvorrichtung per Hebelgestänge unter Druck gebracht wird. Ergebnis: Ein Strahl, der gezieltes Löschen des Feuers auch auf eine gewisse Distanz ermöglicht. „Alarm, Alarm. Feuer, Feuer“, tönt es durch die Galgengasse und aus einem Fenster im ersten Stock eines Hauses dringt dicker Qualm. Signaltrompeter Torsten Haack „stößt ins Horn“ und ruft zum Einsatz. Es kommt Bewegung in die Feuerwache, die beim „Ochsen“ 21 Kopf hoch ihr Lager aufgeschlagen hat.

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Zufällige Überschneidung

Dass ausgerechnet in dieser Sekunde auch noch ein tatsächlicher Alarm ausgelöst wird, kann die erprobten Floriansjünger nur ganz kurz aus der Ruhe bringen. Eine Ölspur in der Altstadt. Darum kümmern sich jetzt andere aus der Feuerwehr-Riege. Die „historische Abteilung“ macht sich mit Gerätschaften und genauer Aufgaben- und Zuständigkeitszuteilung auf in Richtung Brandort. Commandierer Rainer Moll, Fähnrich Hermann Junker, Bezirkshauptmann i.R. Hans Hauf sowie Strahlrohrführer Roland Gerich an der Spitze. Mit von der Partie außerdem Strahlrohrmann Hermann Rippstein, Spritztruppführer Christian Huprich und sein Spritztrupp mit Jürgen Holstein, Jürgen Lindner, Uli Müller und Florian Ehrmann, Wassertruppführer Jochen Hiermann und sein Wassertrupp mit Markus Halbauer, Christian Kanis, Michael Treuheit und Martin Ploke. Auch Leon und Ingrid Moll (Enkel und Ehefrau des Commandierers) sowie Claudia Junker und Erika Späth sind als Unterstützung des Wassertrupps mit im Boot, die Damen auch mit als Art psychologischer Dienst zur Verbreitung von Zuversicht am Brandort. Die etwas undankbare Rolle der Brandstifter spielten Daniel Schulz, Michael Wittmann, Manuel Gerich und Fin Gerich (Nachkommen des Strahlrohrführers). Als „historischer Feuerwehr-Fotograf“ ist Dieter Koch im Einsatz. Der Brand ist zum Glück schnell gelöscht. Das Opfer kann gerettet werden, obwohl – Teil der Inszenierung – es da und dort schon etwas hakt bei den Floriansjüngern. Marina Haack (Tochter des Signaltrompeters) gibt die Rolle des Bürgerkinds, das da im ersten Stock des Hauses in der Galgengasse in Not gerät, im Tragetuch auf die Straße geschafft und dann auf einem der Außengastronomie-Tische erstversorgt wird.

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Mit Einladung zum Schmunzeln

„Anspruch auf Authenzität spielt bei uns nicht die entscheidende Rolle,“ sagt Rainer Moll. Viel wichtiger ist der „historischen Löschtruppe“, dass sie in unterhaltender Weise den Blick auf die Anfänge der Feuerwehr lenkt und damit nicht zuletzt auch ganz beiläufig das Bewusstsein zur Bedeutung des Wirkens der Freiwilligenriege in heutiger Zeit schärft. Als die Löschtruppe später antritt, um die zweite Aufgabe des Tages anzugehen, hat sie großes Publikum. Der Marktplatz ist voll. In Anlehnung an die heute gängige Leistungsprüfung wird eine „historische Leistungsprüfung“ durchgezogen. Alle bestehen den Test. Als Belohnung gibt es eigens gefertigte Erinnerungsmedaillen. -ww-

 

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