In voller Montur auf die Strecke

Feuerwehrmann Christian Kanis nimmt an Laufwettbewerben für guten Zweck teil

ROTHENBURG – Manche Streckenläufer suchen ihre Grenzen, den persönlichen Kick. Andere kämpfen mit dem Laufen gegen überzählige Pfunde. Wieder andere stellen in Laufschuhen und trendigem Outfit vor allem ihr Ego zur Schau. Christian Kanis hat mit all dem nichts am Hut. Wenn der 36-jährige Feuerwehrmann aus Rothenburg in kompletter Feuerwehrmontur und mit Pressluftatmer auf dem Rücken an Wettläufen teilnimmt, dann rennt er aus einem einzigen Grund: für den guten Zweck.

Laufen gegen Krebs Erlangen onlGenauer gesagt ist er für den Verein „Paulinchen“ auf den Beinen. In dieser Gruppe organisieren sich Feuerwehrleute aus ganz Deutschland, die mit ihrer Teilnahme an Benefiz- und sonstigen Läufen in der ganzen Republik Spenden eintreiben möchten zugunsten der Stiftung, die 1993 gegründet wurde, um Familien nach Verbrennungs- und Verbrühungsunfällen ihrer Kinder zu beraten, bei Problemen in der Rehabilitationszeit zu helfen sowie präventiv auf die Unfallursachen hinzuweisen.

Christian Kanis ist seit 23 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Das Lauf-Fieber hat ihn erst vor gut einem Jahr gepackt. Denn seitdem kommt er an manchen Wochenenden aus den Feuerwehrklamotten fast nicht mehr heraus. Es gab Wochenenden im vergangenen Jahr, an denen startete er an zwei oder gar drei Läufen. Deutschlandweit waren es gut 20, an denen er im zu Ende gegangenen Jahr teilnahm. Egal wo Christian Kanis in Feuerwehrmontur mitläuft: Er erregt Aufsehen, nicht für sich, sondern für die Sache, für die er sich engagiert, so hofft er. Oft ist er nicht allein am Start, sondern es nehmen weitere Feuerwehrfrauen und -männer des FCC Team Seukendorf teil. Mit dem geschulterten fast zwölf Kilo schweren Pressluftatmer auf dem Rücken, der Einsatzjacke und -hose sowie dem Helm auf dem Kopf trägt Kanis an die 25 Kilo zusätzlich mit sich herum, schätzt er. Allein deshalb fallen er und seine Gleichgesinnten Kollegen aus dem Schema X des Wettkampf-Läufers heraus.
Aufbrandender Applaus
Die zusätzliche Belastung des Körpers durch das Extragewicht und den Hitzestau unter der dicken Einsatzkleidung nehmen Kanis und seine Mitstreiter bewusst auf sich, wie er erklärt: „Dies soll symbolisch auf den beschwerlichen und kräftezehrenden Weg der Brandverletzten Kinder aufmerksam machen.“ Die Botschaft scheint anzukommen, denn wenn die Feuerwehr-Läufer die Zuschauer an der Laufstrecke passieren, brandet der Applaus oft besonders energisch auf, berichtet der Rothenburger. Auch mit dem Training übertreibt er es nicht. Zweimal pro Woche geht er laufen – oft im kompletten Feuerwehroutfit, manchmal sogar mit Atemschutzmaske, wie er meint. Auch hier zieht er Aufmerksamkeit auf sich. „Manche Autofahrer hupen, wenn sie an mir vorbeifahren“, berichtet er, nicht, weil sie ihn aus dem Weg haben möchten, sondern zur Aufmunterung. Egal, ob Wettlauf oder Training, auf dem Rückenschild seiner Einsatzjacke steht für jeden zu lesen, weshalb er unterwegs ist: „Laufen für brandverletzte Kinder – FCC Team Seukendorf. „Team“ ist deshalb dort zu lesen, weil Kanis nicht der einzige Laufbegeisterte ist. Neben ihm gibt es elf weitere Kollegen.
Höhepunkt seiner bisherigen Läufe war der Nürnberger Run Sport Scheck Anfang Oktober. Auch an sogenannten Treppenläufen möchte er heuer verstärkt teilnehmen. Im letzten Jahr startete er an einem Treppenlauf in Rottweil, wo er die 1390 Stufen hinauf hetzte. Solche Wettbewerbe gibt es auch in Berlin, Köln, Düsseldorf und weiteren Städten. „Das ist noch viel anstrengender als das normale Laufen“, sagt Kanis. Es gibt sogar Treppenlauf-Wettbewerbe, bei denen die Teilnehmer nicht nur in Feuerwehrmontur starten, sondern auch mit angelegter Atemschutzmaske. Dann bekommen sie ihre Luft zum Atmen aus den Pressluftflaschen auf ihrem Rücken, was eine zusätzliche Strapaze darstellt.
Im kommenden Jahr möchte Kanis, der bislang meistens gut sechs Kilometer läuft, nicht nur möglichst einen Hobbylauf laufen, sondern noch etwas Neues testen: einen 24-Stunden-Wandermarsch. Da kommt es weniger aufs Tempo an, sondern vielmehr aufs Durchhaltevermögen. Einen solchen Marsch über 100 Kilometer im Landkreis Gotha hat er schon im Blick. Und auch hier geht es dem jungen Rothenburger nicht ums eigene Vergnügen, denn der Erlös des Laufes geht ebenfalls an die Initiative „Paulinchen“. Guter Zweck hin oder her – warum macht er das alles? Ich war schon immer der Typ, der gerne hilft.“ Deshalb ist er wohl auch bei der Feuerwehr.
Christian Kanis investiert für sein wohltätiges Hobby und für seine Lobby-Arbeit für die Interessen von Kranken und Hilfsbedürftigen nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch eigenes Geld. Das Sponsoring von Firmen hält sich in Grenzen, weshalb er seine Ausrüstung größtenteils selbst gekauft hat. Und die Fahrtkosten, um zu den Wettläufen zu gelangen, zahlt er ebenfalls aus eigener Tasche. Vielleicht finden sich ja doch noch ein paar Unterstützer für dieses Engagement, so seine Hoffnung. eb Die Stiftung „Paulinchen“ kann über folgendes Spendenkonto unterstützt werden: Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V., Bank für Sozialwirtschaft AG, IBAN: DE54 2512 0510 0008 4794 00

 

 

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