Jahreshauptversammlung für das Jahr 2018

Abseits jeder Vernunft

ROTHENBURG – Pöbeleien, Beschimpfungen, ja sogar körperliche Gewalt gegen Hilfskräfte. Auch Feuerwehrleute sehen sich im Einsatz auch bei uns immer häufiger indiskutablem Verhalten von Zeitgenossen ausgesetzt. Und es spielen dabei nicht selten auch schräge, höchst fragwürdige Erwartungen und das Fehlen einer guten Kinderstube eine Rolle. Das ist am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung der Rothenburger Freiwilligen Feuerwehr deutlich geworden.

Allen voran Kommandant Jürgen Holstein nannte eine ganze Reihe von Beispielen, die ihm als Einsatzleiter und seinen Kollegen vor Ort die Arbeit erschweren. Selbst die sogenannten Sicherheitswachen, die inzwischen von den Ordnungsbehörden verstärkt gefordert und von der Feuerwehr übernommen werden, um bestimmte, meist nicht in vollem Umfang vorhandene Brandschutz-Vorkehrungen zu ergänzen, sind keine problemfreien Zonen.

Er habe erst kürzlich bei einer Kulturveranstaltung in einem Rothenburger Autohaus Schimpftiraden gegen die Sicherheitswache erleben müssen, nur weil sie das Parken in der freigehaltenen Aufstellfläche der Feuerwehr verhinderte. Andere aufgeführte Beispiele lassen befürchten, dass unsere Autobahnen neben einer möglichst schnellen Trasse für den Individual- und Güterverkehr längst in anderer Funktion dienen: als Ort, an dem niedrige Instinkte ausgelebt werden und an dem der Anstand mit Füßen getreten wird. Oder wie wäre es anders zu verstehen, wenn bei einem Unfall 60 Gaffer teils auf einen Lärmschutzwall klettern, um sich daran zu ergötzen, dass da gerade ein Mensch bei lebendigem Leib in seinem Auto verbrennt? Oder wenn ein Vater seinen kleinen Sohn an der Hand nimmt und auf die Autobahnbrücke führt, um ihm zu zeigen, wie die Feuerwehr direkt unterhalb auf der Betonpiste ein eingeklemmtes Unfallopfer aus dem Autowrack holt?
Fremdwort Rettungsgasse
„Bei jedem Einsatz auf der A 7 müssen wir erleben, dass Rettungsgassen offensichtlich nur theoretische Wunschträume sind,“ beklagt Holstein außerdem. Sämtliche Aktionen und Plakatierungen zu diesem Thema seien offensichtlich nutzlos. Der Kommandant sieht dieses gesamte Konglomerat an Verbiegungen als Anzeichen für den Verfall gesellschaftlicher Werte. Ursache sei, dass bei Einzelnen das eigene Wohl vor dem der Allgemeinheit stehe. An dieser Entwicklung drohe das Ehrenamt zu zerbrechen. Dem gelte es deshalb beizeiten gegenzusteuern: „Verschiedene Kommunen und Bundesländer versuchen das Ehrenamt, speziell in der Feuerwehr, interessanter und attraktiver zu machen. Dass dies offensichtlich nur über die finanzielle Schiene geht, macht nachdenklich.“
Rothenburgs Polizeichef Stefan Schuster kann die Einschätzung des Kommandanten nur bestätigen. Das machte er in seinem Grußwort deutlich. Vorzugsweise auch anonym auf Internet-Plattformen – wobei in diesem Fall platt wohl eher für platt steht und damit besser trifft als der Begriff „Soziale Medien“, der suggeriert, hier gehe es um eine Errungenschaften der Humanität – werde das rechtmäßige und uneigennützige Agieren von Sicherheitskräften kritisiert und in Frage gestellt, meist mit fehlendem Sachverstand. Die Folgen, so Schuster, wenden sich gegen die „Blaulichtfamilie“. Es werde beleidigt und gepöbelt. Wenn es dumm komme, werde das Einsatzgeschehen behindert, ja es würden sogar Einsatzmittel beschädigt oder gestohlen. Der Inspektionsleiter zeigt sich in diesem Zusammenhang erleichtert, dass es jenen Schulterschluss gibt, der die Polizei mit den Hilfsdiensten verbindet. Nur der mache es „neben unserem qualifizierten Handeln, unserer Ausbildung und uneingeschränkt positiven Einstellung zu unseren verantwortungsvollen Aufgaben“ möglich, auf der Seite derer zu stehen, die zurecht auf unsere Hilfe hoffen, und sie in solch unsäglichen Situationen nicht aus den Augen zu verlieren. Gerade dann, „wenn sie mit zittrigen Fingern die 112 oder die 110 wählen“.
Heißer Brandsommer
Zum Einsatzgeschehen und zu den Zahlen im zurückliegenden Jahr informierte Schriftführer Jürgen Geißler in seinem Bericht detailliert. 163 mal musste die Rothenburger Wehr ausrücken, 31 mal mehr als im Jahr zuvor. Der heiße Sommer führte zu 46 Bränden (27 im Vorjahr). Die Zahl der Wohnungsöffnungen stieg von 8 auf 21. Immerhin 120 der Einsätze erfolgten im Stadtgebiet. Bei 80 handelte es sich um abwehrenden Brandschutz, bei 62 um technische Hilfeleistungen, bei 11 herrschte durch ABC-Gefahrstoffe ein zusätzliches Risiko, bei 9 handelte es sich um Sicherheitswachen im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes und ein Einsatz rangiert unter Sonstiges. 63 Aktive gehören zur Rothenburger Wehr, zwei mehr als ein Jahr zuvor. 8 kommen in Steinbach hinzu, 14 in der Jugend. Peter Weber hat nach langer Zugführertätigkeit seine Aufgabe im letzten Sommer beendet. Dieter Kreiselmeier löst ihn in dieser Funktion ab, Jochen Hiermann in seiner Funktion als Gerätewart.Manuel Gerich verstärkt inzwischen die Führungsetage der Rothenburger Wehr. Er wurde per Wahl dem Kommandanten-Duo Jürgen Holstein und Torsten Haack zur Seite gestellt. Markus Reu fungiert seit letztem Jahr als Sprecher des Zuges 2. Sein Vorgänger Michael Schweizer rückte zum 2. Vorsitzenden des Feuerwehrvereins auf und wurde zum Löschmeister befördert.

Insgesamt 24 Pflicht-Übungsabende standen 2018 auf dem Programm. 20 freiwillige kamen hinzu. An 21 Abenden wurden Fahrzeuge bewegt. 7 Abende waren Begehungen im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes durch Gruppenführer vorbehalten. 12 Objekte wurden dabei besichtigt. In Rothenburg ist eine wichtige Komponente des Gefahrgutzuges im Landkreis Ansbach stationiert. Versteht sich fast von selbst, dass die Wehr der Tauberstadt im letzten April bei einer großen Gefahrgutzug-Übung in Schnelldorf Flagge zeigte und auch bei einer kleineren Übung dieser Sparte im letzten Oktober auf heimischem Terrain.
Wichtiger Faktor
Die Bereitschaft, sich auf dem Laufenden zu halten und sich fortzubilden ist groß. Insgesamt 23 Teilnahmen an verschiedenen Kursen und Seminaren sind belegt. 15 Floriansjünger haben verschiedene Stufen der Leistungsprüfung im Bereich technische Hilfe mit Erfolg genommen. Der Abend war gleichzeitig als 4. Mitgliederversammlung der „Freunde der Freiwilligen Feuerwehr Rothenburg angelegt. Vorsitzender Marcus Pfundt zog dabei zufrieden Bilanz, auch wenn die Mitgliederzahl mit 95 immer noch etwas unter der magischen Marke bleibt. Inzwischen als gemeinnützig anerkannt, hat der Verein die Möglichkeit steuerermäßigende Spendenbescheinigungen auszustellen und verfügt damit über Finanzmittel zur Anschaffung von Dingen, die der Gemeinschaft der Feuerwehrleute dienen oder schlicht die Arbeit etwas erleichtern. Insgesamt immerhin 6500 Euro konnten ausgegeben und sinnvoll investiert werden im letzten Jahr. Schatzmeisterin Anna-Maria Müller, offiziell als Kassiererin der Rothenburger Feuerwehr geführt, legte positive Zahlen aus ihrem Bereich offen. Der Kassenstand konnte im letzten Jahr um etwa ein Drittel gesteigert werden.
Freude am Nachwuchs
In Nachfolge von Michael Moll, der zwölf Jahre als Jugendwart tätig war, erstattete Matthias Kleyer Bericht. Derzeit sind 17 Jugendliche, darunter auch zwei Mädels, beim Nachwuchs der Rothenburger Feuerwehr aktiv. Zwei aus diesem Kreis konnten mit modularer Trupp-Ausbildung der Jugendriege auf die kommenden Aufgaben in der Wehr der Erwachsenen vorbereitet werden. Einer ging mit Erreichen des 18. Lebensjahres ins Aktiven-Personal der Großen über. Drei Mädchen und Buben konnten neu für die Gruppe begeistert werden. Insgesamt sind im letzten Jahr in der Jugendwehr 1232 Stunden geleistet worden. Insgesamt 25 Übungen hat es gegeben, darüber hinaus eine Fülle von Aktionen und Aktivitäten. Mit Blick auf die beiden großen Brände in Böhmweiler und Hemmendorf, bei den die Rothenburger Wehr gefordert war, unterstrich Kommandant Jürgen Holstein die gute Zusammenarbeit beim Löscheinsatz über die Landesgrenze hinweg. Wiederholte gemeinsame Übungen mit den Kollegen in Schrozberg seien eine gute Grundlage. Zur Versammlung hatten etliche Feuerwehren von diesseits und jenseits der Grenze Vertreter entsandt. Ihre Wertschätzung der Rothenburger Wehr unterstrichen in Grußreden Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Oberbürgermeister Walter Hartl, Kreisbrandinspektor (KBI) Gerd Meier, Feuerwehr-Seelsorger Gerhard Werner und Dekan Hans-Gerhard Gross. -ww-

 

Quelle: Fränkischer-AnzeigerQuelle: Fränkischer-Anzeiger

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